13. Januar 2018

Zu jung, um aufzuhören, zu alt für einen beruflichen Neuanfang

Eine 54-jährige Führungskraft aus dem mittleren Management wird von ihrem Unternehmen, für das sie mehr als 35 Jahre gearbeitet hat, ohne Begründung, zunächst für mehrere Monate beurlaubt und anschließend mit einer Abfindung in den Vorruhestand katapultiert. Durch den plötzlichen unerwarteten Verlust der Führungsrolle, verfällt sie für mehrere Monate in eine tiefgreifende Sinnkrise! Ein Klassiker in deutschen Konzernen?

Die beiden Ideengeber der Zeitenwende Lang& Franz GbR, Dr. Ewald Lang (links) und Dr. Dr. Ekkehart Franz

„Im Januar wurde mir völlig überraschend mitgeteilt, dass ich ab sofort nicht mehr in die Firma kommen solle und für die nächsten Monate beurlaubt werde. Im Juli sollte ich meine Arbeit wieder aufnehmen, dann aber als Führungskraft ohne Mitarbeiter und in einem Büro außerhalb des Gebäudes – ein Klassiker. Eine Begründung gibt es bis heute nicht“, so schilderte es Elisabeth S. (Name geändert, Anm. d. Redaktion), die seit 25 Jahren als Führungskraft für dasselbe Unternehmen eine 70 Stunden Woche ableistet und eine lupenreine Personalakte vorweisen kann.
Ihr Leben bestand nach dem Tod ihres Mannes im Wesentlichen aus ihrem Beruf, wodurch das Privatleben und vor allem ihr Kind viel zu kurz kamen. Trotz eines willensstarken Charakters, fühlte sie sich für eine lange Zeit nach dem Ausscheiden aus der Firma wie gelähmt. Die vielen beruflichen Kontakte brachen von jetzt auf gleich weg, die Mutter-Tochter-Beziehung war stark angeschlagen, und die Strukturlosigkeit des Alltags sowie die ungewisse Zukunft stellten sich als große Belastung dar.

„Den Unternehmen ist das Seelenheil der ausscheidenden Führungskraft herzlich egal. Vorrang hat, mehr denn je, die möglichst kostengünstige Trennung. Diese ist durch Zermürbungstaktik gut zu erreichen. In meinem Fall herrschte monatelange Sprachlosigkeit. Es wurden keine Gründe genannt, es gab keine Vorgänge, die mir hätten zur Last gelegt werden können. Ich war beurlaubt. Punkt!“, so weiter Elisabeth S. Offenbar spekulierte das Unternehmen darauf, dass sie nach Aufhebung der Beurlaubung gar nicht mehr am Arbeitsplatz antreten würde.
Die Geschichte von Elisabeth S. ist kein Einzelfall. Denn durch Reorganisationen und Verschlankung von Hierarchie-Ebenen werden jährlich viele Führungskräfte in den Vorruhestand geschickt, was enormen emotionalen Belastungen führt. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig (ab etwa 52 J.) auf ein nachberufliches Leben vorzubereiten und erste Strukturen für den Ruhestand zu schaffen. Jedoch besteht durch Auszahlungen von Abfindungen bei den Betroffenen oftmals nicht mehr der Druck, eine neue Vollzeittätigkeit zu finden. Das erweist sich sehr häufig als fatale Fehleinschätzung der persönlichen Situation im unfreiwilligen vorzeitigen Ruhestand. Die daraus resultierenden tiefen Sinnkrisen könnten vermieden, eine gelingende Neuorientierung erreicht werden, wenn früh genug damit begonnen würde, das nachberufliche Leben individuell zu planen. Allein gelingt dies nur ungenügend. Ernüchternde Erkenntnis dabei: Familie und Freunde können nur sehr selten eine wirkliche Hilfe sein. Hilfe aber tut Not, wenn ein souveräner Ausstieg aus dem Beruf gelingen soll.

presseexperte

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